Von KARTÄUSERN und KARTÄUSERN

Von BLAUEN BRITEN und CHARTREUX

Die Schriftstellerin Colette schwärmt von der Chartreux: kleiner Puma Luftgeistseidiges Teufelchen wie ein ausgelassener Hund...schön wie ein Dämon. Im Roman La Chatte rühmt Colette ihre Vornehmheit, ihre grenzenlose Uneigennützigkeit und ihre Seelenverwandtschaft mit der Elite der Menschheit. Und was sieht der objektivere Blick?

Die Chartreux gleicht in Figur und Größe der Hauskatze. Aber wie keine andere Rasse unterscheiden sich Kater und Kätzin in ihrem äußeren Erscheinungsbild: die Kater imponieren mit einem stattlichen Gewicht bis 7 Kilo, einem markanten Kopf und schönen Backen, die aussehen, als läge eine Kapuze am Hals. Kätzinnen haben ein schmaleres Gesicht und wiegen entsprechend ihrer zierlichen Gestalt nur etwa vier Kilo. Als samtpfotiges Mannequin und Puma für den Hausgebrauch könnte man Kätzin und Kater beschreiben. Beide zeichnen sich aus durch Anmut und Eleganz, Noblesse und Würde. Aber mit ihrem unverformten und absolut normalen Körperbau ist die Chartreux auf Katzenausstellungen eher unauffällig. Nichts an ihr ist extrem oder dekorativ, weder Fell, noch Kopf, noch Statur. Eine insgesamt schnörkellose Katze, bei der kein züchterischer Gestaltungswille am Werke war. Darum finden sich an ihr weder Anomalien noch Deformationen. Ihr bis heute geschätztes Markenzeichen ist ihr kurzes, blaugraues Fell, das leicht doppelt wirkt, wie beim Fischotter. Ein weiteres Charakteristikum sind ihre goldgelben oder kupferfarbenen Augen. Die leicht schräg gestellten, nicht allzu runden Augen bewirken, dass die Katze mit einer geradezu aufgeweckt-vorwitzigen Mimik anspricht.

Die Frage, ob eine Britisch Blau ein Kartäuser ist oder nicht, erhitzte lange die Gemüter der Katzenzüchter. Was ist ein Kartäuser? In Brehms Tierleben ist ein Kartäuser beschrieben, der ungefähr einer Katze vom heutigen Chartreux-Typ entspricht. Die ähnliche Britisch Blau, die Ende des 19.Jahrhunderts aus der Kreuzung von Persern und Hauskatzen entstanden war, sowie die Kreuzung beider Rassen, wurde in Deutschland Kartäuser genannt, was jedoch als Farbe gemeint war und nicht als Rassebezeichnung. Dass aber die echten Kartäuser Chartreux sind und Briten keine Kartäuser, ist mittlerweile in der FIFé kein Thema mehr. Anders war dies in Deutschland bis 1990, als trotz der Rassetrennung von 1977, die Britisch Blue im Stammbaum des 1.DEKZV noch immer den Namen Kartäuser trug. Die falsche, irreführende Bezeichnung wurde erst 1991 getilgt, als die ersten deutschen Züchter ihre Chartreux im einzigen deutschen FIFé-Verein eingetragen ließen. Inzwischen sind in allen Ahnentafeln, welche die Zuchtvereine der FIFé ausstellen, die Chartreux-Katzen unter dem Rasse-Code CHA registriert und die blauen Briten unter dem Code BRI. Die freien Vereine Europas bezeichnen ihre Blauen Briten und Hybriden in der jeweiligen Landessprache als Kartäuser. Völlig verwirrend ist für den Anfänger, dass in den freien Vereinen Frankreichs sowohl die echten Chartreux als auch die Britenmischlinge Chartreux genannt werden. Wer also, egal in welchem Land, auf der Suche nach einer echten Chartreux ganz sicher gehen will, der sollte den Rasse-Code CHA im Auge behalten. Wenn dieser im Stammbaum fehlt, ist Vorsicht geboten.

In vielen Anzeigen der Katzenzeitschriften, aber auch im Internet, stehen Hybriden und Blaue Briten unter der Rassebezeichnung Kartäuser zum Verkauf. Der Grund für diese fälschliche Namensgebung ist neben züchterischer Ignoranz vor allem ein kommerzielles Interesse vieler Britenzüchter, welche sich unter dem klangvolleren Namen Kartäuser einen besseren Verkauf ihrer Jungtiere erwarten. Leider passiert immer wieder, dass Interessenten auf der Suche nach einer echten Chartreux auf Annoncen hereinfallen, in welchen Kartäuser, womöglich noch in allen Farben, angeboten werden, die in Wirklichkeit Briten sind.

Die deutsche Übersetzung des französischen Wortes Chartreux heißt KARTÄUSER. Paradoxerweise darf aber, wer Kartäuser meint, nicht Kartäuser sagen. Zur Vermeidung von Missverständnissen sollte man darum lieber von CHARTREUX sprechen.
Diese unerfreuliche Wortklauberei ist jedoch derzeit leider noch nötig, weil sich hier, wie überall, die neuen Erkenntnisse nicht mit dem gleichen Tempo durchsetzen,
wie alte Fehler verschwinden. Der Wunsch deutschsprachiger Chartreuxzüchter ist, in ihren Ländern den deutschen Namen KARTÄUSER wieder uneingeschränkt und ohne missverstanden zu werden, verwenden zu dürfen.

 Mit freundlicher Genehmigung
von Frau Elisabeth Roth