Herkunft und Entstehung
Heimkehrende
Kreuzritter und Händler brachten aus dem Morgenland die ersten
Syrer-Katzen nach Europa, kräftige, einfarbig
blaugraue Tiere mit goldgelben Augen,
die schon lange vorher bereits im Hochland zwischen Iran und Irak
heimisch gewesen waren. Als im Mittelalter in Europa die Mäuse- und
Rattenplage grassierte und die Pest wütete, gelangte die Syrerkatze
als Handelsgut nach Europa. Ihre vorläufig endgültige Heimat aber
sollten diese Katzen in Frankreich finden, wo dieses Souvenir der
Ritter unter dem Namen Chartreux sehr geschätzt war.
Die Katze, die nicht aus dem Kloster kommt
- bestenfalls ist sie ins Kloster gegangen. Seit der Katzennarr
Papst Gregor der Grosse vor etwa 900 Jahren die Katzenhaltung in den
Klöstern legalisierte, mag die Chartreux vielleicht mit manchem
Mönch die Kartause geteilt haben. Doch aus Klöstern hervorgegangen
ist sie sicher nicht. Wie kommt aber dann diese Katze zu ihrem
Namen? Für die Entstehung dieses Namens gibt es zwei Theorien:
Entweder leitet er sich ab von der im 16.Jahrhundert sehr bekannten,
äußerst weichen Kartäuserwolle oder aber von einem Pariser
Kartäuserkloster, in dessen Nähe im
18. Jahrhundert eine Sippe frei
lebender einfarbig blauer Katzen ansässig gewesen sein soll. Erst nachdem in den frühen Zwanzigern
unseres Jahrhunderts die Pariser Familie Légerauf die
bretonische Insel
Belle-Ile-en-Mer gezogen war, sollte die Geburtsstunde der
Chartreux- Zucht schlagen. Es waren die beiden Schwestern Suzanne
und Christine Léger, welche sich als erste der planmäßigen Zucht
dieser, in der freien Wildbahn vorgefundener, Naturrasse widmeten.
Zur Blutauffrischung und zur Verbesserung der goldgelben Augenfarbe
wurden schon sehr früh blaue Perserkatzen verwendet. Doch nicht
genug: Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Zuchtpotential
dramatisch verringerte, kreuzte man die Chartreux mit der Britisch
Blau, die sich damals viel ähnlicher waren als heute.
Nachdem sich die beiden Rassen bis zur Unkenntlichkeit vermischt
hatten, entschied die FIFé (Fédération International Féline) 1970,
Chartreux und Britisch Blue, unter einem einzigen Standard
zusammenzufassen. Ein Häuflein Unerschrockener formierte sich zum
Widerstand, allen voran der Züchter und gelernte Jurist Jean
Simonnet aus Paris, der in einer wissenschaftlichen Untersuchung die
Chartreux als erhaltenswerte Rasse von großer Vergangenheit
beschrieb. Sein Plädoyer aus dem Jahr 1977 hatte die FIFé überzeugt,
sodass von nun an die Chartreux als eigenständige Rasse mit eigenem
Standard anerkannt wurde. Noch im selben Jahr trennte man die beiden
unglücklich zusammengeführten Rassen und startete einen
züchterischen Neubeginn.
Aussehen
Die Chartreux gleicht in
Figur und Größe der Hauskatze. Aber wie keine andere Rasse
unterscheiden sich Kater und Kätzin in ihrem äußeren
Erscheinungsbild: die Kater imponieren mit einem stattlichen Gewicht
bis 7 Kilo, einem markanten Kopf und schönen Backen, die aussehen,
als läge eine Kapuze am Hals. Kätzinnen haben ein schmaleres Gesicht
und wiegen entsprechend ihrer zierlichen Gestalt nur etwa vier Kilo.
Als samtpfotiges Mannequin und Puma für den Hausgebrauch könnte man
Kätzin und Kater beschreiben. Beide zeichnen sich aus durch Anmut
und Eleganz, Noblesse und Würde. Aber mit ihrem unverformten und
absolut normalen Körperbau ist die Chartreux auf Katzenausstellungen
eher unauffällig. Nichts an ihr ist extrem oder dekorativ, weder
Fell, noch Kopf, noch Statur. Eine insgesamt schnörkellose Katze.
Ihr bis heute geschätztes Markenzeichen ist ihr kurzes, blaugraues
Fell, das leicht doppelt wirkt, wie beim Fischotter. Ein weiteres
Charakteristikum sind ihre
goldgelben oder kupferfarbenen Augen.
Die leicht schräg gestellten, nicht allzu runden Augen bewirken,
dass die Katze mit einer gerade aufgeweckt - vorwitzigen Mimik
anspricht. Die mittelgroßen Ohren sitzen hoch, leicht nach außen
auslaufend, am Schädel, so dass die Katze einen aufgeweckten
Eindruck vermittelt.
Temperament
Bei ihrer sprichwörtlichen Sensibilität ist
die Chartreux wesensstark und freundlich und bei respektvoller
Behandlung ihrem Menschen sehr ergeben. Man kann diese unabhängige
Katze, die sich selbst zu genügen scheint, gerne über mehrere
Stunden alleine lassen, weil sie lieber meditiert und die Sphinx
spielt, als dass sie sich herzen und herumtragen lässt. Ihre Wünsche
äußert sie leise. Typisch für die Chartreux: ihr stummes Miau, mit
dem sie uns antwortet. Sprichwörtlich auch ihre Klugheit. Für manch
unerfahrenen Katzenfreund sind ihre trickreichen Aktionen eine echte
Herausforderung.
Paradoxerweise erlaubt diese sonst so unabhängige Katze ihrer
Bezugsperson, sie an die Leine zu nehmen.
Dieser angeborenen Fähigkeit, an der
Leine zu gehen, verdankt die Chartreux ihren Spitznamen Hundekatze.
Jungtiere sind lustige Kobolde - wenn aber die ersten Flegelmonate
vorüber sind, verwandeln sich diese Rabauken in wahre Philosophen,
in deren Gesellschaft es sich angenehm leben lässt. Als sensible
Katze stellt sie sich auf die Stimmung ihres Menschen ein. Sie
registriert und reagiert, eine Fähigkeit, die sie zum echten Kumpel
macht.
Dennoch hat sie sich nicht völlig vermenschlichen und psychisch
verbilden lassen. Sie folgt ihren Urinstinkten auch als
Wohnungskatze, wenn sie Beute wittert, oder zum Tiger wird, wenn sie
ihre Jungen verteidigt.
Ihre leicht distanzierte Art täuscht, denn Ihre Leidenschaft glüht
im Verborgenen. Wen eine Chartreux liebt, dem ist sie treu für immer
was sie einmal mehr zum Hund unter den Katzen macht. Nie wird diese
liebe und freundliche Katze gegen Leute, die ihrem Harmoniebedürfnis
entgegenkommen und ihr ein stressfreies Zuhause bieten, drohend oder
gar strafend die Pfote erheben, wenn sie ihr Mensch das sein lässt,
was sie immer gewesen ist: ein zahmer kleiner Puma, der hin und
wieder von der Wildnis träumt.