Eine Alltagsgeschichte

Wieder war es mal soweit, unsere Betty erwartete ihren vierten Wurf. Wie immer waren wir alle schon in freudiger Erwartung und als die Stunde "X" da war lief alles reibungslos wie im Lehrbuch. Ein Baby nach dem anderen erblickte das Licht der Welt und nach 2 ½ Stunden lagen fünf kleine, gesunde Knäuel im Nest.

Betty umsorgte sie liebevoll, doch wir bemerkten sehr schnell das die Milch nicht einschießen wollte. Die Kleinen nuckelten zwar fleißig, doch es kam nichts. Ermüdet und weinend ließen sie dann ab und schliefen erschöpft ein um nach einer knappen Stunde, immer lauter schreiend, erneut ihr Glück zu versuchen.

Betty wurde auch immer unruhiger, verzweifelt putzte sie die Kleinen und bot den kleinen Schreihälsen immer wieder ihre leeren Zitzen an. Sie verstand das ganze nicht. Sie schaute uns Hilfe suchend an und miaute ständig.

Der Tierarzt bestätigte unsere Befürchtungen und so begannen vier sehr anstrengende aber auch sehr schöne Wochen. Ab nun hieß es für uns alle, alle 2 Stunden (auch nachts) die Kleinen zu füttern.

Begeisterung erhielten wir anfangs von den Babies natürlich nicht. Laut schreiend und strampfend protestierten sie gegen die unnatürliche Nahrungsaufnahme. Ungeahnte Kräfte stecken in so kleinen Wesen und manchmal hatte man das Gefühl man hält keinen Katzenwelpen in den Händen, sondern einen kleinen Kraken – man kämpfte gegen "hundert" Beinchen. Mit dem tollen Aufzuchtsfläschchen erreichten wir gar nichts. So griffen wir zu Einmalspritzen, besorgten uns einen Fläschchenwärmer und flößten jedem Welpen  tröpfchenweise Milch ein, massierten die Bäuchlein mit einem  leicht angefeuchteten Wattebausch und die Analgegend. Betty putzte sie dann noch fleißig nach – sorgte für ihr seelisches Wohlergehen, wir für das Leibliche - ein richtiges Teamwork entstand. Bei jedem Mal ging es besser, schön langsam verstanden die Kleinen die Prozedur. Nur Elena leistete immer Widerstand, trank nach anfänglicher Gegenwehr brav und wenn sie satt war, protestierte sie wieder laut Hals. Selbst diese winzigen Lebewesen haben schon ihren eigenen Kopf.

Nach sieben Tagen „Babydienst“ hatten wir Drei schon so eine blasse Gesichtsfarbe und Ringe unter den Augen, dass man uns sofort fürs „Gruselkabinett“ engagiert hätte. Gott sei Dank hatte meine Tochter schon Sommerferien und mein Mann war auch zu Hause. Ich fuhr wie ferngesteuert in die Firma und hatte endlich die Gelegenheit meine Überstunden abzubauen.

Die Rasselbande hatte aber noch einiges an Überraschungen für uns parat:

Am 7 Tag sahen alle aus wie kleine Schildkröten. Sie hatten Verstopfungen und Blähungen. Das hieß nun alle mit Babylax zu behandeln und zu jeder Mahlzeit, pro 2 ml Milch, 1 Tropfen SAP-Tropfen hinzufügen.

Ab der 3. Woche war es dann schon so, sobald sie die Milch rochen, krappelten die Kleinen sofort zum Wurfkistenausgang, maunzten und lagen ganz brav am Schoß und nuckelten die Milch (außer Elena natürlich). Emilio entwickelte eine ganz neue Technik – sobald er die Spritze spürte, zog er so stark an, dass der Kolben wie von Geisterhand geführt, hinunter schoss. Er konnte 12–15 ml Nahrung in 6 sec. trinken, ohne danach Beschwerden zu haben.

In der vierten Woche bekam Esmeralda plötzlich eine geschwollene Backe, eines ihrer Geschwister muss sie verletzt haben und sie bildete ein kirschgroßes Abszess aus. Tierarzt > Abszess schneiden > Antibiotika > Durchfall und Erbrechen.

Kaum ging es Esmeralda wieder gut, fing Einer nach dem Anderen mit Durchfall an. Wir hatten beim Tierarzt schon unser zweites zu Hause!

Doch alles ist vergessen, wenn man diese kleinen Würmchen sieht und sie in den Händen hält.

Nach 8 Wochen hatten wir endlich alle alles überstanden und konnten die letzten, kurzen vier Wochen mit den Kobolden noch genießen. Die Zeit verflog aber so schnell und es fiel uns bei diesem Wurf besonders schwer sich von ihnen zu trennen, als sonst. Es steckten in diesen kleinen Rabauken so viele Sorgen, Liebe und schlaflose Nächte.

Es hat sich aber wirklich gelohnt, alle fünf sind liebe, gesunde und wunderschöne Tiere geworden.